4.8.06

Jokkmokk


4. August. Unterdessen sind wir in Jokkmokk, wenige Kilometer nördlich des Polarkreises angekommen. Unsere Reise führt uns von Vilhelmina über einen «Wildnisweg» weiter nordwawärts nach Arjeplog, Arvidsjaur und Jokkmokk. Abgesehen von Wildnis und Rentieren haben wir noch anderes Eindrückliches gesehen. Längere Zeit bereits halten wir uns in Lappland, dem Land der Samen auf. In Arjeplog und in Jokkmokk befinden sich wunderschöne Samenmuseen, welche wir besichtigt haben. Die Samen, oft fälschlicherweise Lappen genannt, sind das Urvolk Nordskandinaviens. Noch heute ziehen sie mit ihren Rentierherden im Sommer in den Norden, kehren im Herbst in ihre Winterlager, unter anderem ins südliche Jokkmokk, zurück. Im Frühjahr und im Herbst finden Rentierscheiden statt; da werden die Rentiere zusammengetrieben, gezeichnet – damit man weiss, wem sie gehören – und im Herbst zum Teil als Wintervorrat geschlachtet…

Morgen geht es weiter nordwärts, Richtung Kiruna. Momentan sind wir am organisieren, wo es denn hin soll. Von Jokkmokk aus gibt es wunderschöne Strecken in die Berge zu fahren, um zu wandern oder zu paddeln. Nur sind das alles Einbahnstrecken, das heisst, 100 Kilometer in die Wildnis rein, dann denselben Weg, wieder zurück. So summieren sich die Kilometer weiter...

Ach ja: Die Mitternachtssonne haben wir von Datum her verpasst – Sonnenuntergänge wie auf dem Bild oben sind jedoch nichts Aussergewöhnliches!

Achtung Bahnübergang!


2. August, Arvidsjaur. Aus dem Camper entdeckte ich plötzlich eine Rentierfamilie. Sie war so neugierig, dass sie immer noch da waren, als ich endlich die Kamera bereithielt. Sie spazierten der Bahnlinie entlang und grasten dabei in aller Ruhe. Sie waren sehr gute Fotomodelle. Mutter und Kind gingen zusammen und der Vater kam schliesslich hintendrein.

Foto & Text von Michelle

Draisinenfahrt


1. August, Arvidsjaur. In einem Laden beim Bahnhof konnten wir zwei Draisinen mieten. Die Frau im Laden sprach nur samisch und schwedisch. Darum haben wir uns mit Zeichnungen verständigt. Mit der Hand zeigte sie uns, wo wir die abgestellten Draisinen finden sollten und die Richtung, in welcher wir fahren dürften. Was machen wir, wenn ein Zug kommt? fragten wir uns. Die Strecke Arvidsjaur – Skelleftea sei stillgelegt, beruhigte uns der Bahnangestellte. Eine Draisine ist ein Fahrrad mit drei Rädern aus Metall. Sie fährt auf Eisenbahnschienen und kann auch entgleisen… Papa und ich wollten mit einer solchen Draisine zu unserem Camper fahren, dazu mussten wir auf den Bahnhof, wo es Weichen hatte. Wir wollten darüber fahren, aber die Draisine schaffte es nicht – wir entgleisten und mich spickte es auf den Boden. Schliesslich starteten wir alle vier in die andere Richtung. Es ging auf der stillgelegten Zugstrecke durch die Wildnis flach aber manchmal auch bergauf, was uns ziemlich ins Schwitzen brachte. Trotz dem Quietschen, welches unser Gefährt verursachte, konnten wir Rentiere beobachten. Nach etwa zehn Kilometern waren wir müde und hatten Hunger. Danach drehten wir die Draisinen um und pedalten zurück. Weil wir so heiss hatten, kühlten wir uns unterwegs in einem einsamen See ab. Als wir von unserem Fährtlein zurückkamen, sahen wir noch einmal zwei Rentiere. Wir konnten uns sehr nahe an sie heranschleichen. So konnte ich sie in Ruhe fotografieren.

Am Abend feuerten Michelle und ich noch ein paar Frauenfürze ab.


2. August. Heute fahren wir knapp über den Polarkreis nach Jokkmokk. Ich freue mich schon auf morgen, weil ich dann elf Jahre alt werde!

von Rafael und Daniel