10.8.06

Eisenerz-Bergwerk
























9. August, Kiruna. Heute Mittag erreichen wir Kiruna, die nördlichste Stadt in Schweden. Unser Camper war ziemlich Ebbe, also müssen wir in der Stadt angekommen, als erstes auftanken. 73 Liter – und ich dachte, unser Tank fasse nur 70…

Nachdem auch unsere Mägen aufgetankt sind, fahren wir zur Touristeninformation, da wir in Kiruna unbedingt einer Führung im Bergwerk folgen wollen. Kurz vor 14 Uhr parkieren wir, und im Touristenzentrum angekommen, erfahren wir, dass ein paar Minuten eine Führung starte. Während der Chauffeur den Motor startet suchen wir noch warme Kleider zusammen und schon sitzen wir im Car, der uns ins Bergwerk bringt. 540m unter Tage hält der Car an. Eine Führerin zeigt uns in einer Grube, wie dort gearbeitet wird und wie die ganze Arbeit im Bergwerk vor über 100 Jahren begonnen hat. Weiter erzählt sie uns, dass die Bürger von Kiruna in den nächsten Jahren ganze Teile der Stadt verschieben müssen, da sonst Einsturzgefahr drohe. Aber das Bergwerk ist wirtschaftlich so wichtig und ertragreich, was eine solche Verschiebung der Stadt notwenig macht. Nach drei Stunden erblicken wir wieder das Tageslicht, mit einem Kopf voller Eindrücken… Erlebenswert! Die Schweden verstehen es wirklich, Museen gekonnt zu gestalten oder Themen multimedial aufzubereiten!

Nachdem wir den Camping auf Anhieb verpassen, landen wir bei einer Skiliftstation. Der kurze Fusstrip auf den Luokkavaara – den Berg des stillgelegten Erzbergwerks von Kiruna und Skihang mit drei Liften und Scheinwerfern für die kurzen Wintertage – wird uns durch eine herrliche Weitsicht über die Stadt und die Weiten des Wald- und Steppenlands belohnt. Ein ungewöhnlicher Anblick, nachdem wir uns in letzter Zeit immer IM Wald bewegt haben…

Mit Kiruna verlassen wir in Kürze Schweden in Richtung Norwegen, freuen uns auf Neues – die Finnmark und die Tundra, damit der nördlichste und wenigst besiedeltste Teil unserer Reise. In diesen Gegenden werden auch die Campingplätze und somit die Internetanschlüsse rarer werden. Darum wird es nun vielleicht bis zum nächsten Beitrag etwas dauern.




Schweden mit seinen beinahe endlosen Wäldern hat uns sehr gefallen und wir haben das Gefühl, wir hätten noch viel mehr sehen können – aber dafür fehlt uns die Zeit! Fast ein bisschen unverschämt, so etwas auch nur zu denken, aber die eindrücklichen Kilometerzahlen auf den Wegweisern mahnen…

Heja Volvo!


8. August. Porjus. Am Strassenrand steht ein Dorfschild, wie hier üblich in Schwedisch und Samisch angeschrieben. Alle Häuser ausser dem ICA Market sind, wie gewohnt unauffällig, der Rasen glattgemäht, die blau-gelbe Flagge weht stolz im Wind. Ein Dorf wie viele andere Schwedische Dörfer eben auch. – Nein! Da steht ein Haus, zwar auch wie üblich, in rotem Anstrich mit weissen Balken. Ein Haus aber, bei dem vor lauter Details, Tafeln, Flaggen, Kabeln, Fellen, Geweihen, Gefährten das Rot kaum mehr sichtbar ist. Das Haus von Björn Thunborg, einem im Krieg ausgewanderten Norweger, einem Sammler, Jäger und Händler im wörtlichsten Sinn. Beim Eintreten in seinen Laden sieht man vor lauter Dingen den Verkäufer nicht: Damenstrümpfe, Miniäxte, Fischerzubehör, Lappenmesser, Postkarten, Verstärker, Samenschuhe, Rentierfleisch, Batterien, Schmuck, Elchfelle, Djungelolja, Aussenbordmotor mit Ersatzschraube, Sturmzündhölzer, abgelaufene Diafilme, und wahrscheinlich haben wir dabei nur etwa einen Drittel wahrnehmen können.

Michelle entscheidet sich dabei für das gefährlichscharfe Lappenmesser, das sie seitdem stolz am Gürtel trägt. Als Kontrast zu ihrer farbigen Holzkugelkette und den hellblauen Schweden-cloggs mit Rosenmuster und den zwei blonden Pippi-Haarschwänzchen… Wir verabschieden uns nach langem von Björn, der uns mit vielen wertvollen Tipps auf die Reise schickt.


Zur Geduldsprobe von Kristina muss ich nach kurzem Zögern nochmals hin. Mit meiner Kamera. Vor dem Haus sticht mir Björns grau-mattes Volvo-Kombi ins Auge. Björn erlaubt mir, sichtbar stolz, ein paar Fotos zu machen. Wenn ich wolle, könne ich ihn mit aufnehmen. Das Kombi habe er gestern verkauft. Er habe das Moos auf dem vorderen Kotflügel entfernt. Vielleicht reiche es ihm noch für eine Politur. Ob er geprüft sei? Kein Problem! Schliesslich handle es sich um einen Volvo, erst mit Jahrgang 1965. Das sei kein Alter. Die Karrosserie sei einwandfrei. Der Motor kein Problem. Er habe für den Winter vor einigen Jahren eine Startheizung für den hier doch rauen Winter eingebaut. Richtig: ein Kabel mit Stecker, wahrscheinlich Marke ICA ragt aus dem Kühlergrill…

Heja Vicki – Heja Volvo!

Mücken


8. August. Im Norden. Seit einiger Zeit plagen uns die kleinen Tierlein, auf welche wir hier im Norden nun wirklich nicht scharf sind – die Mücken. Uns reichen diese paar Dinger aber völlig, könnten auf sie verzichten. Michelle ist die Befallenste von uns allen. Wir waren zwar darauf vorbereitet, es habe gar nicht so viele, wird uns immer wieder gesagt – es sei diesen Sommer viel zu trocken. Sie pieksen sie überall, hinter den Ohren, im Gesicht, an Beinen und Armen, sogar durch Jeans. Sie fliegen sogar in Nasenlöcher...

Natur pur



6. August. Muddus-Nationalpark – 50km nördlich von Jokkmokk. In diesem ungefähr 500 qkm grossen Gebiet sollen viele Tiere zusehen sein: Elche, Rentiere, Luchse, verschiedene Vogelarten, Bären. Bären? Also stiefeln wir los und verbringen einen Tag in diesem Gebiet. Tiere wollen sich uns nicht zeigen – nur deren Kot zeugen von ihnen – ganz im Gegensatz zu den Heidelbeeren. Die Kinder pflücken sie mit einem Erntegerät aus den Warenhaus (in der Schweiz verboten) und servieren uns am Abend ein lecker-frisches Dessert.


Der Muddus-Nationalpark liegt am Luleälven. An dessen Ufer verbringen wir die Nacht einsam-romantisch. Daniel hat die Idee, am nächsten Tag mit den Kindern im Kanadier eine Strecke zu paddeln. Endlich einmal ein Fluss, der auch etwas fliesst und zum Befahren genügend Wasser hat. Diesen Sommer herrscht hier in Nordschweden Trockenheit, wie selten – wird uns auf alle Fälle immer wieder gesagt – so dass viele Flussbette trocken sind, oder sich nur als kleine Rinnsale zeigen. Also, am nächsten morgen nach dem Frühstück geht’s los. Daniel bepackt mit den Kindern den Kanadier, ich soll sie an einer ausgemachten Stelle mit dem Wohnmobil abholen. Ich fahre dorthin, und sie kommen nicht, und kommen nicht, und kommen immer noch nicht. Tja, der Fluss fliesst bereits nach der ersten Kurve nicht mehr. Im Gegenteil: Wellen und starker Gegenwind kommen auf, so dass – anstelle eines gemütlichen Fährtleins – alle drei streng paddeln müssen… Anschliessend wird abgekühlt. Im eiskalten Wasser…