8.9.06

Lofoten und die Stockfische







6. September. Moskenes. Beim Begriff Lofoten wurden mir bis jetzt immer dieselbem Bilder abgerufen. Bizarre Felsen, die schroff aus dem Meer ragen. Holzgestelle, wo Kabeljaus an den Schwänzen hängen und zum Trocknen in den Boden starren. Bunte Fischerboote, die kontrastreich in dunklen Buchten vor Anker liegen.
Die Landschaft und die Berge sind bilderbuchhaft. Das stimmt. Weil uns die Karg- und Rauheit des hohen Nordens tief beeindruckte, aufwühlte und uns immer noch sehr präsent ist, finden wir es einfach «postkartig».

Holzgestelle, meist in dreieckiger Form gebaut, finden wir in den allermeisten Fischerdörfern prominent auf den Hügeln, den Winden ausgesetzt. Das stimmt. Ohne Fische. Die würden nur im Frühjahr gefangen und bis Mitte Juni zum trocknen aufgehängt, lassen wir uns belehren und schauen uns die vollen Gestelle im Souvenirshop auf den Postkarten an. Ein einziger Stockfisch ist noch übriggeblieben. Er hängt an der Türe desselben Souvenirshops – der jetzt nur noch bis um 14 Uhr geöffnet ist. Er sieht, von der intensiven, hinter ihm liegenden Sommersommersaison ziemlich gezeichnet aus. Daneben liegen verschiedene Hinweistafeln mit der Inschrift «ledige Rorbuer», was übersetzt etwa «freie Unterkünfte in Fischerhütten» heisst, am Boden. Nachsaison. Wir sind froh, in dieser verschlafenen Zeit hier zu sein. Wir wollen uns den Camperstrom in den Sommermonaten nicht bildlich vorstellen. Aber eben: in solchen malerischen Fischerdörfern ist das ursprüngliche Erwerbs- und Sozialleben nicht mehr so attraktiv. Verständlich. Da werden, um die Kronen zu verdienen, die Fischerboote halt besser als «Lofotcruisers» und die traditionellen Fischerhütten als Unterkünfte angepriesen. Das frühere Leben kann ja dann in den – wie schon früher in diesem Blog erwähnt – schön aufbereiteten Museen bewundert werden.

Übrigens: Bunte Fischerboote liegen kontrastreich vor Anker. Das stimmt auch. Den Kontrast bilden im Moment Nieselregen und durch den rauen Seewind schnell vorüberziehende Nebelschwaden.
So wissen wir nun auch wie das aussieht...