24.8.06

Wendepunkt






23. August, Tromsø. Langsam geht es – nach Halbzeit unserer Reise – südwärts, wieder dem Polarkreis entgegen, via Hammerfest fahren wir nach Tromsø. Die Hauptstrasse «E6» schlängelt sich dem Wasser entlang. Zum Teil fahren wir Strecken wie Gunten – Interlaken am Thunersee, jedoch über Hunderte von Kilometern. Da wird’s sogar Rafael beim Harry-Potter-Lesen ab und zu mal schlecht. Aber man muss ja auch nicht immer lesen. Mittlerweile ist er bei «Band 5» angelangt und er muss sich nun an eine 50-Seiten-Tageslimite halten…


Rafael ist aber nicht nur am Lesen, jetzt hat er auch seine ersten essbaren Fische gefangen. Das ist auch gut so, denn Norwegen ist wirklich sauteuer. Fleisch und Käse ist, verglichen mit Schweden, fast unbezahlbar (darum haben wir auch etwas FleischKäse aus der CH dabei…), der Diesel kostet im Land der Erdölförderung umgerechnet mehr als zwei CH-Franken, in Tromsø kostet sogar der Kirchenbesuch… Für wohltätige Zwecke? Genug gejammert! Mit Tromsø lernen wir wiedermal eine Stadt kennen, die als Stadt zum Verweilen einlädt: Alte bunt-farbige Häuser wechseln sich mit topmodernen Bauten ab, was sehr eindrückliche Strassenbilder ergibt. Dass diese Fassaden in der herbstlich warmen Sonne einladend leuchten, schätzen wir umso mehr, als dass unsere Hände beim Velofahren vor Kälte schon so etwas wie zu schmerzen beginnen… Wie in Skandinavien schon mehrmals erlebt, verstehen es die Nordländer ihre Geschichte und Spezialitäten mit Museen in Perfektion darzustellen. So lassen wir uns in Tromsø, auch «Tor zur Arktis» genannt, im «Polaria-Museum» von Bart-Robben und packenden Polar-Filmen à la Mystery Park faszinieren. Norwegen ist wirklich wunderschön, wir lassen uns gerne weiter von diesen Landschaften verzaubern.

23.8.06

Mein erster Fisch


18. August, Havøysund. Havøysund ist der nördlichste Punkt der Reise. Rafael und ich gehen mit dem Velo an den Hafen fischen. Plötzlich krümmt es meine Angelrute und ich kurble die Schnur rauf. Es hat sehr hart zum kurbeln! Jupiii, ein Fisch hat angebissen! Er zappelt sehr! Ich schlage ihn an den Boden und er stirbt. Jupiii, der erste Fisch zum Essen! Mama nimmt den eher kleineren Fisch von mir aus (Fischausnehmen – Anm. der Red.) und dann auch den eher Grösseren von Rafael. Es sieht sehr eklig aus, wie Mama die Innereien rausnimmt! Rafael hat schon seine drei Fische von gestern ausgenommen. Der Fisch hat geschmeckt! von Michelle


N 70° 59' 43,5" E 24°40'18.4"



19. August, Havøysund. Wir verlassen Alta, um den nördlichsten Punkt unserer Reise zu erreichen. Wir entscheiden uns, das Nordkapp nicht zu besuchen. Havøysund, etwas weniger bekannt, liegt 30 Kilometer südwestlich vom Nordkap.
Bei schönstem Wetter kurven wir den Fjorden entlang. Blaues Meer, karge Berge, ab und zu ein Fischerdorf. Wachsen tut hier nichts mehr. Die Gärten der Häuser sind leer, nur Rasen wächst und wird säuberlich gepflegt. Jeder Garten ist eingezäunt, damit er nicht von Rentieren zertrampt und kahlgefressen wird. Rentiere tummeln sich hier im Moment überall.


Abends erreichen wir Havøysund, finden ein Plätzchen direkt am Meer und freuen uns auf den ersten Sonnenuntergang bei freier Sicht aufs offene Meer. Aber – au weja – schon kurz nach dem Abendessen muss Daniel sein Stativ für den Sonnenuntergang bereitstellen. Ja, richtig, die Sonne geht hier nun bereits um 21.40 Uhr unter… soviel zum Thema Mitternachtssonne! Die haben wir definitiv verpasst. Die Nächte werden wieder länger – um 21 Uhr brauchen wir bereits Licht, um die Jasskarten zu erkennen.

Ja, es ist Herbst geworden. Die Tage sind merklich kühler, die Wollpullover – die Norwegischen – locken zum Kauf; die wärmen. Auch die Heizung muss jetzt ab und zu eingeschaltet werden…